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Siegfried Haverbeck – Versuch eines Psychogramms

Durch mittlerweile  fünf Bände zieht sich seine Spur, er fängt Mörder und ist der Schrecken seiner Vorgesetzten. Aber wer ist Siegfried Haverbeck eigentlich?

Von Beruf ist er Kriminalpolizist. Anfangs mit wenig Leidenschaft, was er aber bisher keinem erzählt hat. Die ist erst mit den Jahren dazugekommen. Irgendwann hatte er mal den Spruch gehört: Wem Gott gibt ein Amt, dem gibt er auch Verstand. Den Spruch brauchte Haverbeck nur ein wenig abwandeln und an seine Situation anpassen: Er ersetzte den Verstand durch die Leidenschaft. Denn die ist mit den Aufgaben gewachsen. Und mit den Beförderungen. Immerhin ist er jetzt Kriminalhauptkommissar. Mehr ist für ihn ohnehin nicht drin. (Da hätte er in der Schule mehr hinter Büchern sitzen, als hinter Mädchen her sein müssen).

Trotz der Leidenschaft für seine Arbeit (andere würden von Spaß sprechen, was er aber im Zusammenhang mit Tötungsdelikten für unpassend hält) sieht er seinen Beruf nüchtern. Emotionale Ausbrüche, Herumgeschreie und Gewaltexzesse – nicht mit ihm. Deshalb schüttelt er immer nur fassungslos den Kopf, wenn er die Kollegen aus den Krimiserien im Fernsehen agieren sieht. Das fing schon mit Schimanski an. Wie der sich benommen hat, nein, das ging nun gar nicht. Hätte Haverbeck etwas zu sagen gehabt, er hätte ihn in die Asservatenkammer verbannt.

Er sei ein richtiger Preuße, meinte einmal ein Kollege. Haverbeck musste erst eine Nacht darüber schlafen. Am nächsten Morgen war ihm klar: Der Kollege hatte ihn richtig beschrieben. Nur mit Ruhe, Gelassenheit und Distanz zum Geschehen kann man einen Mord aufklären. Warum sich aufregen und Emotionen zeigen? Die Toten werden dadurch nicht wieder lebendig und mehr Gehalt gibt es auch nicht. Den Hinterbliebenen hilft er damit ebenfalls nicht. Die wollen nicht noch einen psychisch aufgelösten Polizisten im Wohnzimmer stehen haben, sondern einen, der zack, zack den Mörder findet.

Dass er Schwächen hat, niemand weiß das besser als er. Haverbeck denkt an eine ganz besondere, obwohl sich diese Schwäche mit der Heirat seiner Kollegin (Carola, Kriminaloberkommissarin) verflüchtig hat. Ob es nun an seiner Größe mit 1,91 oder an seinen markanten Gesichtszügen liegt, oder an beidem – er weiß, dass er auf Frauen eine gewisse Ausstrahlung hat (besonders mit Drei-Tage-Bart). Das ist natürlich an sich keine Schwäche, kann aber zu einer werden, wenn man in gewissen Situationen schwach wird.

Das letzte Ereignis dieser Art ist noch gar nicht so lange her. Da wollte doch eine wirklich attraktive Frau, so um die 30, ihn gar nicht mehr aus ihrer Wohnung lassen. Sie wurde sogar handgreiflich. Ihr Mann war einige Monate vorher gestorben und sie hatte noch keinen Ersatz gefunden. Aber in solchen Fällen denkt Haverbeck immer an den Preußen in sich. Dann kommt er problemlos auch aus solchen Gefahrenlagen wieder heraus.